Frühere Entscheidung verpasst: St.Otmar gewinnt in Zürich in letzter Sekunde

Marco Ellenberger

11 März 2026


Nach zuletzt vier Niederlagen in Folge hat der TSV St.Otmar bei GC Amicitia Zürich mit 25:24 (13:11) gewonnen. Der Siegtreffer von Emil Jessen fiel mit der Schlusssirene – zuvor hatten es die St.Galler noch einmal unnötig spannend gemacht.

Andreas Björkman Myhr wehrt spektakulär ab. (Felix Walker, 15.02.2026)

Viele Dinge gleichen sich im Lauf einer Saison aus. Zuletzt verlor St.Otmar in den Heimspielen gegen Wacker Thun und Pfadi Winterthur jeweils buchstäblich in letzter Sekunde auf bittere Weise. Am Mittwochabend kam das damals fehlende Glück zu den St.Gallern zurück. Allerdings hätte es die Mannschaft von Trainer Michael Suter gar nicht erst so weit kommen lassen dürfen. Gelbschwarz führte in einer eher torarmen Partie mit stabilen Verteidigungen weniger als zwei Minuten vor Schluss mit 24:21 – und beging dann in der allgemeinen Hektik gegen die offene Manndeckung des Heimteams zwei ärgerliche Fehler, die GC Amicitia tatsächlich zurück in die Partie brachten.

Flurin Platz glich die Begegnung für das Heimteam sieben Sekunden vor dem Ende zum 24:24 aus. Die Gäste reagierten aber schnell, und Emil Jessen traf aus dem Anspielkreis ins leere Zürcher Tor. Der Jubel tat aus St.Galler Sicht gut, der Sieg war ohne jeden Zweifel verdient. Allerdings hätte St.Otmar den Sack deutlich früher zumachen müssen, schon vor der Schlussphase. Die Mannschaft von Michael Suter spielte eine gute und strukturierte erste Halbzeit und beging wenig Fehler. Sie liess aber ein halbes Dutzend freie, teils schön herausgespielte Chancen liegen. GC Amicitia Zürich blieb so immer in Schlagdistanz; zur Pause stand es darum 'nur' 13:11.

Und es wurde nicht einfacher: Nach dem Seitenwechsel verloren die St.Galler kurzzeitig die Kontrolle über die Partie. Die Stadtzürcher verzeichneten fast 25 Minuten lang keinen Turnover mehr und gingen nach einer Dreiviertelstunde mit 20:18 in Führung. Nach einem Time-out kam St.Otmar aber wieder zurück. Mit dem einmal mehr starken Andreas Björkman Myhr (15 Paraden) als Basis erarbeiteten sich die Gäste wieder das Spieldiktat und schafften ihrerseits die Wende zum 24:21. Mit etwas mehr Kaltschnäuzigkeit und Effizienz hätte Gelbschwarz den Match aber zu jenem Zeitpunkt längst entscheiden – und sich damit die nervenaufreibende Schlussphase ersparen können. Neben Keeper Björkman Myhr ragte auch Alexander Möller (5 Tore) aus dem Kollektiv heraus; vor allem in der entscheidenden Phase im zweiten Durchgang.

Wie wichtig der letztlich aber trotz allem verdiente Siegtreffer in letzter Sekunde war, zeigte sich beim Blick ins Matchcenter: Der RTV Basel hat das Auswärtsspiel in Thun überraschend mit 38:36 gewonnen. Die Basler bleiben in der Tabelle damit weiterhin nur einen Punkt hinter den St.Gallern, bei sogar noch einer ausgetragenen Partie weniger. Das Rennen um den sechsten Platz ist in vollem Gang. Und beim nächsten Match St.Otmars am 25. März in Stäfa heisst es erneut: Ausrutschen verboten.

Telegramm

GC Amicitia Zürich – TSV St.Otmar 24:25 (11:13)
Saalsporthalle – 726 Zuschauer/innen – Sr. Hasler/Hungerbühler.
Strafen: 4mal 2 Minuten gegen Zürich; 1mal 2 Minuten gegen St.Otmar.
Zürich: Fuchs (11 Paraden), Müller; Petrig (4/3), Cagalj (4), Gilles Besek (3), Thümena (4), Röttges, Oehler, Grau (1), Poloz (3), Platz (2), Bänninger (1/1), Bindt, Mecenero (1), Alex Besek (1).
St.Otmar: Björkman Myhr (15 Paraden), Jochum (für 1 Penalty); Bolt (1), Tobler, Dörwaldt, Brülisauer, Niederer, Heinl (2), Löfström (7/3), Höning (1), Jessen (1), Alves (3), Schneider (3), Möller (5), Braun (1), Wetzel (1).
Bemerkungen: St.Otmar ohne Stroustrup, Lacok und Locher (alle verletzt). Björkman Myhr hält Penalties von Petrig (16./5:6 und 30./11:12) und Grau (36./14:16). Fuchs hält Penalty von Braun (38./15:16). 

Gedenkminute und bewegende Worte vor dem Spiel für den unerwartet verstorbenen, langjährigen Physiotherapeuten von GC Amicitia Zürich, Marc van Welie. St.Otmar drückt dem Verein und den Angehörigen die tief empfundene Anteilnahme aus.